Google dein Kind!

Foto: scienceimageproject.com/

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Noch ungefähr 1000 Tage Kindheit. Danach wird sich Maria verpuppen, um langsam zur Erwachsenen zu reifen. Eine Phase, von der ich nur eine mulmige Ahnung habe. Umso spannender war es deshalb, Eltern und Lehrer zu treffen, die aus der Pubertät berichteten.

Ich war vom Verein „Chill out“ eingeladen worden, im Rahmen einer Elternveranstaltung zum Thema „Prävention exzessiven Medienkonsums“ am Babelsberger Filmgymnasium von meinen Blog zu erzählen. An dem privaten Gymnasium war, so erfuhr ich im Laufe des Abends, mit Eltern und Schülern zusammen ein Handyverbot beschlossen worden. Es gilt für Schüler und Lehrer.
Seit Anfang des Jahres müssen Smartphones im Schulgebäude in der Tasche bleiben, nur Hof-Pausen sind Handy-Zeit. Das hat mehrere positive Auswirkungen: Die Schüler sind auch im Winter viel an der frischen Luft, man redet in den kleinen Pausen häufiger miteinander und einige Jugendliche widmen sich sogar wieder dem analogen Kartenspiel.

Bei einer Umfrage, die zwei Schüler unter ihresgleichen gemacht hatten, wurde aber auch klar: Ein Leben ohne Smartphone ist möglich, aber sinnlos.
Deshalb wird nach Unterrichtsschluss wieder gechattet und gesimst bis die Daumen glühen – und die Köpfe der Eltern. Ein Vater erzählte, dass es ein Kampf gegen Windmühlen sei, die Tochter während der Hausaufgaben und der Nachtruhe von ihrem Telefon zu lösen. Viele Eltern nickten zustimmend. Eine Mutter berichtete, dass sie es über einen zeitlich begrenzten Totalentzug geschafft hatte, handyfreie Stunden ins Familienleben zu integrieren. Diese sorgen allerdings täglich für Reibungsfläche.

Reibung erzeugt Wärme. Dieses physikalische Gesetz scheint in der Pubertät eine völlig neue Bedeutung zu bekommen. Das wichtigste in dieser Lebensphase sei, mit dem Kind in Kontakt zu bleiben, sagte Sozialwissenschaftler Rüdiger Schmolke von „Chill out“. Die Jugendlichen wünschen sich elterliche Rückmeldungen zu ihrem Medienverhalten, auch wenn sie das natürlich nie zugeben würden. Schulpsychologe Jörg Kreuter meinte, es bringe aber wenig, wenn Eltern versuchen, heimlich oder autoritär einen Blick auf das Teenie-Phone zu werfen. Das wäre für Jugendliche ein Eingriff in ihre Privatsphäre, auf den sie - je nach Temperament - explosionsartig reagieren können.

Eine Möglichkeit, sich dem digitalen Ich des Verpuppten zu nähern, bietet Google. Ein Werkzeug, dass auch jedem künftigen Arbeitgeber zur Verfügung steht und damit nicht unter die Privatsphäre fällt. Eine Mutter erzählte, wie sie den Namen ihres Kindes in das Suchfenster eingegeben hatte. Obwohl das Instagram-Profil nicht den Klarnamen als Benutzernamen hatte, wurden sämtliche Chats und Fotos daraus gefunden. Gemeinsam mit ihrem Kind war die Mutter die Treffer durchgegangen, hatte geredet und Sicherheitseinstellungen justiert.

Eine zweite Möglichkeit, die mir einfiel, sind Internet-Videos, in denen die Scheinwelt von Internet  & Co humorvoll vorgeführt werden. (einige davon am Ende des Artikels.)
Am Ende des Abends hatte ich noch mehr Respekt vor Teenager-Eltern – und noch ein bisschen mehr Angst vor der Häutung meines Kindes. Doch dann kam eine Mutter auf mich zu und sagte: „So schlimm ist das alles auch nicht. Es ist sogar ganz schön. Man bleibt in Bewegung."