Internet ist ein Beruf?!

Maria beginnt, sich für ihre Zukunft zu interessieren. „Ich weiß nicht, was ich später werden will“, sorgte sie sich vor kurzem. Ich beruhigte, dass sie noch viel Zeit für diese Entscheidung hat. Bäcker, Redakteur, Musiker, Lehrer, Verkäufer, Pferdewirtin, Arzt, Müllmann – das alles sind klassische Berufe, die sie im täglichen Leben umgeben. Doch seit wir uns beim Kurzvideo-Dienst „Vine“ manchmal die Filme von Zach King ansehen, weiß Maria: Auch Internet kann ein Beruf sein.

Bei „Vine“ laufen sechs Sekunden kurze Videos in Endlosschleife. Ich mochte dieses Format anfangs nicht besonders, bis ich durch die arte-Sendung „Tracks“ auf den 24-jährigen Amerikaner stieß. Zach King schafft es mit seinen Kurz-Clips Millionen zu verblüffen und zu begeistern. Mal pupst er Luftballons, mal befreit er eine Katze aus dem PC-Bildschirm, mal druckt er sich Pizza.

Ich erzählte Maria, dass er als Junge angefangen hatte, Videos zu drehen, in seinem Hobby aufging und mit seiner Begeisterung und Leidenschaft sozusagen seine eigene Arbeit erfand: Der „Sechs-Sekunden-Zauberer-Kasper“. „Dann kann Internet ein Beruf sein?“, wollte Maria wissen. „Ja, sogar viele.“ Und ich zählte auf, was mir spontan einfiel: Spiele-Ausdenker, Filme-Macher, Foto-Bastler, Geschichten-Erzähler, Figuren-Erfinder.

Bisher haben wir viel über die Klippen geredet, die es im World Wide Web gibt. Einmal meinte Maria sogar, sie wolle später vielleicht doch nicht allein ins Internet. „Aber Schatz, das ist, als würdest du nicht raus wollen, weil dich ein Auto überfahren könnte. Du musst nur lernen, sicher über die Straße zu gehen“, ermutigte ich sie. Ich glaube, dass wir bei den „Verkehrsregeln“ schon ganz schön weit sind. Deshalb möchte ich ihr jetzt die Palette an Möglichkeiten zeigen, die in der digitale Welt warten. Ich sammle noch Farben und Schattierungen und freue mich über jede Anregung...