Wie digital soll Schule sein?

Foto: Sacha Hartgers/scienceimageproject

Wie kann Schule und digitale Welt so in einen Kochtopf geworfen werden, dass am Ende ein mündiger Digital Native entsteigt? Mein Vorschlag: Man nehme ein Pfund analoge Erfahrungen, eine Portion Coden und Tablet-Unterricht, dazu eine Prise Social-Media-Coaching und 100 Gramm Medienkompetenz obendrauf. Doch das Leben ist kein Kuchenbacken! Es fehlt an einem universellen Rezept für digitale Bildung. Das kann Angst machen oder Neugierde wecken.

Der Kölner Pädagoge und EdchatDE-Initiator André Spang

In Berlin diskutierten Pädagogen und Experten über „Digitale Bildung.“ Einer der neugierigsten Lehrer ist wohl der Kölner André Spang. Der Pädagoge  der Kaiserin Augusta Schule, Jahrgang 66, war der Berliner Diskussionsrunde passenderweise per Live-Stream zugeschaltet. Spang verfolgt seit Jahren das Ziel,  „das Internet ins Klassenzimmer zu lassen.“ Der Musiklehrer bietet seinen Schützlingen neben analogen auch digitale Instrumente. An dem Gymnasium gibt es Beamer, Laptops, interaktive Whiteboards und Tablet PCs.
So tapsen digitale Medien nicht als „Problembär“ in die Schule, sondern als Werkzeug, und das Gespräch zwischen Lehrern und Schüler bekommt einen anderen Zungenschlag.

Spang hat für andere Lehrer und Interessierte einen digitalen Stammtisch gegründet - den EdchatDE. Einen wöchentlich stattfindenden Twitterchat nach amerikanischem Vorbild. Jeden Dienstag können sich Menschen aus ganz Deutschland im virtuellen Raum treffen, Erfahrungen und Meinungen ausstauschen.

Denn geht längst nicht mehr darum, ob Jugendliche die neuen Medien nutzen. Die Frage ist, wie sie damit umgehen, meint Medien-Experte Thomas Schmidt von Helliwood. Und Umgang lerne man durch Nutzung.  „Digitales Lernen ist Teil des Bildungsauftrags“, findet auch Dr. Vito Susca, Leiter der Freien Schule Anne-Sophie in Berlin. Bei ihm können die Schüler im Untericht Tablets nutzen. Wenn sie sich an die Regeln halten. Momentan sind die Computer für eine Klasse gesperrt, weil zu viele darauf heimlich das Zahlenpuzzle-Spiel 2048 daddelten.  
Solche Erfahrungen gehören dazu, meint der Schulleiter. Positive wie negative.

Schulleiter Dr. Vito Susca, Moderator Christian Fülle, Psychologin Julia von Weiler und Medienexperte Thomas Schmidt saßen in Berlin in der Digital Eatery.

Doch genau in diesem Punkt sind viele verunsichert.  „Mediengrundbildung bei Erwachsenen ist noch wichtiger als bei Kindern“, betont Julia von Weiler, Psychologin und Geschäftsführerin von „Innocence in Danger“. „Eltern geben in der analogen Welt ganz selbstverständlich Regeln und Normen mit auf den Weg, in der virtuellen Welt aber trauen sie sich das nicht zu. Sicher ist es komplexer als Radfahren lernen. Aber Eltern müssen sich dem stellen.“ 

Dabei kann man den Nachwuchs mit an den Topf holen und ihm regelmäßig den Kochlöffel überlassen. Wenn das Kind zeigen und erklären kann, was es da digital vor sich hinkocht, können Mama und Papa mit ihm darüber reden und vielleicht sogar noch was lernen...