Mit Klebezettel gegen Hacker

Foto: Sacha Hartgers

Ich habe vor kurzem beim Laptop und bei unserem Tablet die Kamera abgeklebt. Nicht, dass ich wirklich glaube, dass sich ein Hacker bei mir eingeklinkt hätte. Und wenn, hätte er sich vermutlich schon zu Tode gelangweilt, denn sobald ich mit Tippen oder Surfen fertig bin, wird der Laptop zugeklappt, Tablet und Smartphone kommen in ihre Schutzhülle. Der Hacker würde also nur mein immer gleiches, etwas müdes Gesicht sehen können. Unsere Kameras sind abgeklebt, weil ich Maria ein gesundes Misstrauen mit auf den Weg geben will – auch auf den digitalen.

Ransomware heißen Schadprogramme, mit denen digitale Eindringlinge einen Computer von außen sperren und für die Daten Lösegeld verlangen können. Aktuell wird solche Erpresser-Software mit dem Porno-App „Adult-Player“ auf Smartphone und Tablets geschmuggelt, warnt das Sicherheitsunternehmen Zscaler. Beim Installieren bekommt die App Zugriff auf die Frontkamera und schießt heimlich Bilder, während man beispielsweise sich die Filme ansieht. Damit kann der Erpresser kurz danach die Daten der Festplatte und einige peinliche Fotos in seiner Gewalt haben. Das Lösegeld lässt er sich per Paypal überweisen. Ob er die Bilder danach wie versprochen wirklich löscht, ist nicht nachprüfbar. Der Erpresste wird also ewig damit rechnen müssen, dass sie ihn aus irgendeiner Ecke des Internets wieder anspringen.

Ein drastisches Beispiel zwar, aber es zeigt, was möglich ist. Und selbst harmlose Bilder, die in einem scheinbar unbeobachteten privaten Moment geschossen werden, können einen in peinliche Situationen bringen. Um ihr die zu ersparen, erklären wir Maria jetzt schon, warum wir die Kamera abkleben. „Da kann ein Fremder in den Computer schleichen, ohne dass du es merkst und fotografiert dich, ohne zu fragen. Und das wäre doch blöd.“

Auch soll sie immer Bescheid sagen, wenn eine ihrer Spiele-Apps ein Foto machen will. Dann sehen wir uns gemeinsam an, wofür das Bild benutzt werden soll. Bei der „Maus-App“ zum Beispiel, um sich Elefantenohren aufzusetzen und Schnurrbarthaare anzumalen. „Die App darf dich fotografieren, der kannst du vertrauen.“ Dann darf Maria den Klebezettel an der Kamera hochklappen und auf den Auslöser drücken. So ist das digitale Fotografieren eine haptische Handlung.

Vor kurzem fiel der Klebezettel am Tablet von der Frontkamera. Maria sah das und rief lachend zum Computer: „Hey, wenn du uns jetzt beobachtest. Hier gibt’s nichts zu gucken!“ Dann klebten wir zusammen einen neuen Zettel vor die Linse.