Illustration:  SketchnotesbyDiana

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Computermuffel werden die Analphabeten des 21. Jahrhunderts sein, heißt es. Sicher nicht zu unrecht. Ich will meine Tochter nicht zum Analphabeten machen, will ihr nicht die Zukunft verbauen. Andererseits kenne ich als Journalistin auch die dunkle Seite des World Wide Web viel zu gut: Internet-Mobbing, Spiel-Sucht, gepostete Fotos, die einem Jahre später den Weg verbauen, Vereinsamung und so weiter und so weiter. Dazu meine (vermutlich nicht mal abwegige) Befürchtung, dass unsere Tochter genau dann in die Tiefen des Internets eintauchen wird, wenn sie pubertiert und jeden noch so gut gemeinten Ratschlag von mir in den Wind schießt.

Wie also das Kind zu einem mündigen Medienbürger erziehen? Wie ihr beibringen sich zu schützen, wenn ich sie nicht beschützen kann?

Blöderweise kann ich meine Mutter (die mir zu Windelzeiten wirklich gute Tipps gab) nicht um Rat fragen, denn als ich ein Kind war, war die Welt zu hundert Prozent analog, hingen Telefone in den dazugehörigen gelben Kabinen am Straßenrand und hatten Wählscheiben. Gespräche ins Ausland bedeuteten Fahrten in die Hauptstadt zum Hauptpostamt am Alexanderplatz, verbunden mit endlosem Warten auf „Kabine 2“ oder „Kabine 3“. Mobbing gab es höchstens auf dem Schulhofund wollte ich wissen, wann Schiller geboren wurde, habe ich(aus heutiger Sicht mühselig) im Lexikon unter S nachgeschlagen. Dass die Mauer gefallen war, drang mit zwölfstündiger Verspätung zu mir durch und nicht als piepsende Eilmeldung. Auf Erfahrung zurückgreifen fällt also aus.

Bliebe die Möglichkeit auf Ratgeber-Apps oder altmodische Ratgeber-Bücher zurückzugreifen. Aber bei allem, was ich in den Händen hielt, ist das Internet je nach Autor entweder das leuchtende Paradies in Bitform oder die düstere Hölle in Pixeln. Zu wenig Grautöne für meinen Geschmack.

Bleibt also das gute alte Prinzip: Vertrau deinem Bauch. Und genau das tue ich.